Auf der Planke – „Aus dem Bauch heraus“ von Yessica Yeti {Rezension}

Dreißig Jahre lang habe ich mich über Ultraschallbilder lustig gemacht, weil sie immer aussehen wie „Unwetter über Toronto“, und jetzt halte ich eines in der Hand, auf dem tatsächlich etwas drauf ist. Wir drücken uns und trinken unsere Tränen.

Seite 41

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Eigentlich fasst dieses Zitat schon gut zusammen, was in diesem Buch los ist. Da sieht jemand Vaterfreuden entgegen, der sich über dreißig Jahre nie als solcher gesehen hat.

Im Gegenteil sogar: Man könnte hier durchaus von einem typischen Anti-Papa sprechen! Dass seine Partnerin und zukünftige Mama da ähnlich vorbelastet ist, verspricht eine sehr erheiternde Geschichte. Denn natürlich verlieren sie schlagartig ihre „Abneigung“ gegen Nachwuchs, aber nicht ihre Gelassenheit gegenüber der Situation und der damit verbundenen Herausforderungen. Glänzen tut auch hier insbesondere unser Protagonist, der alleine durch seine entspannte und durchaus kindliche Art, Problemstellungen zu lösen, mir immer wieder herzhafte Lacher beschert hat und ich mich gerne als seinen Fan oute und das nicht nur, weil er Christian heißt (keinesfalls sollte man daraus parallelen zu meiner eigenen Lebensweise ziehen! 😀 )

Immer wieder bekommen wir im Laufe der Geschichte auch Einblicke in seine innersten Gedanken…was oftmals zu einer verwirrten Erheiterung führt…

Ich bin der festen Überzeugung -und das nicht, um mich aus dem zugigen Fahrtwind der Perversion rauszubewegen -, dass täglich Hunderttausende Menschen Hunderttausenden Schaufensterpuppen an die Brüste fassen. Oder an den Hintern. Je nach Gemütslage. Das macht man eben so.

Seite 137

Lange, sehr lange habe ich überlegt, ob ich diesbezüglich meine Präsenz im Social Network nutzen sollte, um hier eine einigermaßen repräsentative Umfrage zu starten, wer eine derartige Annäherung an eine Schaufensterpuppe schon vollzogen hat. Ich für meinen Teil kann das nämlich verneinen…und das ist die Wahrheit bei meiner Ehre als Literaturpirat! 😉

Bei aller Abgedrehtheit, bei den vielen lustigen, peinlichen und kindischen Aktionen und Reaktionen ist eines jedoch das ganze Buch hindurch zu spüren…hier sind zwei Menschen, die trotz aller Unbekümmertheit schon vor der Geburt große Liebe für das Kind in sich tragen! Und genau das erkenne ich auch als zentrale Botschaft hinter dieser Story:
Macht Euch nicht verrückt und lasst Euch vor allem nicht verrückt machen! Wichtig ist nur, dass es Euch und vor allem der Mutter gut geht. Da darf es auch mal was zu Essen geben, was man als Schwangere eigentlich nicht essen soll, solange es Dir gut tut!

Das Buch auf der Planke
Auf jeden Fall sollte dieses Buch jeder lesen, der Kinder hat, Kinder plant, Kinder mag oder schon mal Kinder gesehen hat! Es macht einfach Spaß und ist so aus dem Leben heraus, dass sicherlich viele von Euch sich irgendwo darin wiederfinden. Nur manchmal war ich nicht ganz beim Autor, wenn sich Beschreibungen wiederholten oder mir seine Art zu erzählen etwas zu krass wurde.

Letztlich eine ganz klare Leseempfehlung von mir und natürlich darf das Buch die Planke Richtung Schiff wieder verlassen!

Yessica Yeti – „Aus dem Bauch heraus“ – erschienen beim Dumont Buchverlag
Taschenbuchausgabe mit 254 Seiten für 9,99 EUR erhältlich

Inhaltsangabe des Verlages
Dies ist ein Buch über zwei Menschen, die ein Kind bekommen und keine Ahnung haben, wie das geht. Für Menschen, die nie ein Buch darüber lesen würden, wie zwei Menschen ein Kind bekommen und keine Ahnung haben, wie das geht. Und zugleich der Coming-of-age-Roman eines 44-jährigen Mannes, der heißt wie eine Frau, aber ein Mann ist.

»Ich heiße Christian. Die meisten nennen mich Yessica. Ich schreibe über Musik, mache Musik, lege sie auf und lungere mit Leuten rum, die Gleiches oder Ähnliches tun. Ich bin leicht über vierzig, kinderlos glücklich, seit 25 Jahren in einer pausenlosen Dauerbeziehung mit wechselnden Partnerinnen. Und habe immer alleine gewohnt. Bis vor zwei Jahren. Da kam Lillie. Dann fing mein Leben noch mal an.«

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3 Gedanken zu “Auf der Planke – „Aus dem Bauch heraus“ von Yessica Yeti {Rezension}

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